Obst und Gemüse als Teil der BARF-Ration

Obst und Gemüse als Teil der BARF-Ration

Jetzt heißt es doch immer, wir bauen bei BARF ein Beutetier nach. Warum müssen da auf einmal auch Obst und Gemüse in den Napf? In der freien Wildbahn fressen der Wolf oder die Katze mit Sicherheit kein frisches Gemüse vom Feld.

Das stimmt – die Tiere nehmen jedoch sehr wohl pflanzliche Stoffe über den Magen der Beutetiere auf. Die pflanzliche Kost ist dadurch bereits vorverdaut und so auch für sie verwertbar, da die Tiere, wie auch der Mensch, keine Enzyme besitzen um pflanzliche Zellen auf zu spalten. Man weiß aber mittlerweile auch, dass Wölfe den Kot von Pflanzenfressern und auch Beeren oder Gras zu sich nehmen. Bei Kotuntersuchungen von freilebenden Wölfen wurden immer auch kleine Anteile unverdaulicher pflanzlicher Teile im Kot gefunden. Man kann also davon ausgehen, dass die Tiere einen gewissen Teil an schwer- bzw. unverdaulichen pflanzlichen Nahrungskomponenten benötigen.

Die Aufgaben der Faserstoffe

Der Rohfasergehalt im Futter gibt die Menge an löslichen und unlöslichen Faserstoffen an.

Unlösliche Faserstoffe werden im Darm nicht verdaut und verlassen diesen auch wieder in unveränderter Form. Die Darmzotten werden durch diese Faserstoffe gereinigt.  Sie erhöhen zudem das Kotvolumen, binden Wasser, was zu einer guten Kotkonsistenz führt und die Darmperistaltik fördert. Dadurch vereinfacht sich die Passage der Nahrung durch den Darm.

Lösliche Faserstoffe können zwar von den körpereigenen Darmenzymen von Hund oder Katze nicht aufgespalten werden, jedoch dienen sie als Nahrung für die nützlichen Darmbakterien, die zu einer gesunden Darmflora gehören. Sind die Faserstoffe mal im Dickdarm angekommen, macht sich die Darmflora über sie her. Die Bakterien spalten die Faserstoffe, dabei entstehen z.B bestimmte Fettsäuren, die für unseren Körper wichtig sind. Da die Darmflora sehr wichtige Aufgaben übernimmt, profitiert man davon, die Darmflora der Tiere zu pflegen und für eine ausreichende Nährstoffzufuhr für die gesunden Darmbakterien zu sorgen.

Dies ist der Grund, warum Rohfaserlieferanten in einer BARF-Mahlzeit von Hunden und Katzen nicht fehlen darf. Bei Hunden macht der pflanzliche Anteil 20% der Futterration aus, bei der Katze in etwa 3-5%.

Faserstoffe in der Fütterung

Einen hohen Rohfasergehalt haben Getreide, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse/Kerne. Würde man jedoch den gesamten pflanzlichen Anteil in der Fütterung in Form von Getreide und Hülsenfrüchte geben, hätte dies mehr negative als positive Auswirkungen. Bestandteile dieser Nahrungsmittel inhibieren (= verhindern) in größeren Mengen die Aufnahme von anderen wichtigen Nährstoffen.

Deswegen greift man bei BARF gerne hauptsächlich auf Gemüse, Obst und Nüsse zurück, um genug Rohfaser zu zuführen. Jetzt hören sich da 20% pflanzlicher Anteil noch immer nach sehr viel an, man darf aber nicht vergessen, das Obst und Gemüse zu ~85% aus Wasser bestehen. Der eigentliche Rohfaseranteil liegt bei unter 1%, bei Katzen <0.3%.

Man sollte jetzt aber nicht einfach das rohe Obst und Gemüse in groben Stücken in den Napf legen. Die Zellwände von Obst/Gemüse bestehen nämlich aus Cellulose. Cellulose ist für Hunde und Katzen unverdaulich, da sie das Enzym Cellulase nicht bilden können. An die interessanten Faserstoffe und sekundären Pflanzenstoffe kommen die Tiere nicht ran, solange diese in den, durch Cellulose geschützten, Zellen verschlossen sind.

Die Darmbakterien, welche im Verdauungstrakt sitzen, können zwar Cellulose mittels Fermentation spalten, dieser Vorgang ist jedoch sehr langwierig – nicht umsonst besitzen Wiederkäuer mehrere Mägen für diesen Prozess. Das heißt für uns, wir müssen das Obst/Gemüse roh pürieren oder dünsten, um die pflanzlichen Zellwände zu öffnen und dadurch den Inhalt der Pflanzenzellen für unsere Tiere verfügbar zu machen.

Der Wert der sekundären Pflanzenstoffe

Man liest immer wieder, was für ein Aufwand betrieben wird, um möglichst viele Obst oder Gemüsesorten für den Hund bereit zu stellen, damit dieser genug Nährstoffe und Vitamine bekommt.

Dazu sollte man allerdings folgendes wissen: Hunde sind nicht auf Nährstoffe aus dem pflanzlichen Anteil angewiesen. Sie nehmen als Beutefresser Vitamine und Spurenelemente über Fleisch, Innereien und Knochen im Futter auf. Es ist daher auch nicht wichtig, den pflanzlichen Anteil noch mit Ölen zu ergänzen.

Ein wenig Abwechslung beim Obst und Gemüse darf natürlich sein – es macht aber wenig Sinn, die gesamte Gemüseabteilung des Supermarkts für den Hund verfügbar zu machen. So ist es zum Beispiel wichtig Obst und Gemüse mit verschiedenen Farben zu füttern, da diese unterschiedliche Inhaltsstoffe haben.

Was nämlich Obst und Gemüse neben dem Rohfaseranteil interessant macht, sind die sogenannten sekundären Pflanzenstoffe. Sie zählen nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu den essenziellen Nährstoffen, haben aber Einfluss auf eine Vielzahl von Stoffwechselprozessen. Es werden ihnen auch verschiedene gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben.

Hier einige Beispiele für wichtige sekundäre Pflanzenstoffe

Carotinoide

Carotinoide sind pflanzliche Farbstoffe, die hauptsächlich in roten, orangen und gelben Früchten und Gemüsesorten vorkommen. Der überwiegende Anteil von ihnen ist als Vorstufe (Provitamin) des Vitamin A bekannt. Dies kann jedoch nur minimal im Dünndarm des Hundes unter Hilfe von Enzymen, in Vitamin A umgewandelt und in der Leber gespeichert werden. Das ist aber auch nebenrangig, da genug Vitamin A über die Fütterung von Leber bereit gestellt wird.
Sie wirken antioxidativ, krebsvorbeugend, immunstimulierend und stärken das Herz-Kreislaufsystem.

Phytosterine

Phytosterinen wird eine cholesterinsenkende Wirkung zugeschrieben. Dieser Effekt ist vermutlich auf die verminderte Resorption von Cholesterin im Darm bei gleichzeitiger Zufuhr von Phytosterinen zurückzuführen. Sie sind in z.B Sonnenblumenkerne, Sesam, Nüssen und Sojabohnen enthalten.

Glucosinolate

Glucosinolate sind Geschmacksstoffe, die in allen Kohlsorten, Senf, Rettich und Kresse zu finden sind. Glucosinolate beugen Infektionen vor und hemmen die Krebsentwicklung. Sie sind hitzeempfindlich und werden beim Kochen zerstört.

Saponine

Saponine sind ebenfalls Geschmacksstoffe, die in Hülsenfrüchten und Spinat vorkommen. Sie stärken die Immunabwehr, wirken antimikrobiell, Cholesterin-senkend und entzündungshemmend.

Polyphenole und Flavonoide

Flavonoide  und Polyphenole sind Pflanzenfarbstoffe, die Pflanzen eine rote, violette oder blaue Färbung verleihen ( Kirschen, Marillen, Beerenfrüchte,..). Sie hemmen das Wachstum von Bakterien und Viren, schützen die Zellen vor freie Radikalen. Weiters wirken sie entzündungshemmend und beeinflussen die Blutgerinnung. Sie werden oft erst durch Kochen aus der Zellmembran herausgelöst.

Monoterpene

Monoterpene haben die Funktion von Aromastoffen (Menthol, Citrusöl,…)

Protease-Inhibitoren

Bei den Protease-Inhibitoren handelt es sich um Substanzen, die proteinspaltende Enzyme hemmen und die ihrerseits aus Eiweißbestandteilen zusammengesetzt sind. Sie werden nicht nur mit der Nahrung aufgenommen, sondern sie können auch vom Körper selbst gebildet werden, z.B. um Entzündungen zu kontrollieren.  Protease-Inhibitoren sind in eiweißreichen Pflanzen wie Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Getreide zu finden und schützen die Proteine vor Spaltung.

Anti-Nährstoffe

Pflanzen enthalten jedoch auch Stoffe, die für sie selber einen Wert haben, in größeren Mengen in der Fütterung jedoch problematisch sein können.

Phytinsäure

Pflanzen bilden Phytinsäure als Pflanzenschutztmittel, um sich gegen den Verzehr zu schützen. Phytinsäure dient Pflanzen aber auch als Speicher für Phosphat. Sie ist vor allem in Getreide, Hülsenfrüchten und Leinsamen enthalten. Die Phytinsäure bindet im Dünndarm viele Nährstoffe und Spurenelemente wie Eisen und Zink. Dadurch wird die Bioverfügbarkeit herabgesetzt. Das ist der Grund, warum der Anteil an Kohlenhydraten in der Fütterung von Hunden auf 10% der Ration limitiert ist.

Solanin

Im Pflanzenreich dient dieses Glykoalkaloid der Pflanze als natürlicher Schutz gegen Fraßfeinde. Es ist in rohen Kartoffeln, grünen Paprika, unreifen Tomaten und anderen Nachtschattengewächsen enthalten. Eine zu hohe Aufnahme des bitter schmeckenden Solanins kann zu Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Solanin wird beim Kochen nicht zerstört, sondern geht in das Kochwasser über. Daher sollte das Kochwasser von Kartoffeln nicht mitgefüttert werden!

Lektine

Lektine sind Proteine, die vor allem in Hülsenfrüchten, aber ganz besonders in Bohnen vorkommen. Sie binden an Kohlenhydratstrukturen von Zellen oder derem Zellmembranen binden. Durch diese Bindung entsteht eine sogenannte „Klebstoffreaktion“, bei der unter anderem die roten Blutkörperchen verklumpen und so der Sauerstofftransport gehemmt wird. Lektine werden beim Kochen zerstört.

Oxalsäure

Oxalsäure kommt in vielen Gemüsesorten wie Spinat, Mangold und roter Beete vor. Sie bindet Mineralien (besonders Calcium und Eisen) im Dickdarm und reduziert somit die Aufnahme dieser Mineralien. Das Kochen verringert den Oxalsäure-gehalt, da die Oxalsäure ins Kochwasser übergeht. Daher sollte dieses nicht mitgefüttert werden.

Welches Obst und Gemüse ist für Hund und Katze geeignet?

Die meisten Obst und Gemüsesorten sind für die Tiere geeignet. Persönlich finde ich es empfehlenswert saisonal, regional und wenn möglich Bio einzukaufen. Je frischer das Obst und Gemüse ist, desto höher ist der Anteil an Nährstoffen. Beim Kauf von Obst und Gemüse aus biologischem Anbau minimiert man den Gehalt an Schadstoffen aus Dünger, Pestiziden, Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden.

Hier ein kleiner Überblick über geeignete und ungeeignetes Obst und Gemüse

(kein Anspruch auf Vollständigkeit)

Obst/Gemüsemischungen muss man nicht täglich frisch vorbereiten. Man kann auch den pflanzlichen Anteil vorbereiten und einfrieren – entweder direkt mit den Portionen oder seperat, z.B in Silikonformen. Im Kühlschrank ist püriertes Obst und Gemüse nicht so lange haltbar, da das Obst schnell zu gären beginnt.

Viele BARF-Shops bieten mittlerweile auch fertige Obst/Gemüse-Mischungen an. Dies kann durchaus eine Alternative sein, wenn es mal schnell gehen muss. Man sollte jedoch immer einen genauen Blick auf die verwendeten Sorten werfen!

FAZIT

Ein gewisser Anteil an pflanzlichen Komponenten in der Fütterung von Hunden und Katzen ist einfach wichtig. Sie dienen der Gesunderhaltung der Darmflora und unterstützen die Darmmotorik. Man verwendet natürlich geeignete Obst- und Gemüsesorten. Diese sollten natürlich von dem Tier gut vertragen und auch gerne gefressen werden. Die sekundären Pflanzenstoffe im Obst und Gemüse haben zusätzlichen Mehrwert für die Gesundheit der Tiere.

Sollte man das Tier gar nicht dazu überreden können, das Obst und Gemüse zu fressen, gibt es auch einige Alternativen.

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