Vitalpilze im Portrait – Teil 1

Vitalpilze im Portrait – Teil 1

Die moderne Mykotherapie ist eine relativ junge Therapieform. Sie bezieht sich auf das, was alten Kulturen bereits seit vielen 1000 Jahren bekannt ist: Pilze enthalten sehr wirkungsvolle Inhaltsstoffe. Obwohl noch so neu, gibt es für die Anwendung am Tier doch bereits schon viele wissenschaftliche Untersuchungen zu den Wirkungen.

Während Heilkräuter gerade bei Katzen aufgrund deren speziellen Stoffwechsels problematisch sein können, sind Vitalpilze auch bei Katzen gut einsetzbar. Insgesamt werden bei Tieren 14 Pilze erfolgreich eingesetzt. In 3 Teilen werde ich Euch diese Pilze genauer vorstellen.

Es folgen die ersten 5 Vitalpilze und ihre Wirkweise

Agaricus bisporus

Agaricus bisporus ist nichts anderes als der bekannte Champignon. Der beliebte Speisepilz enthält die höchste Konzentration an Lysin, Glutamin, Arginin, Vitamin B2, B5, B12 und Vitamin E unter allen Vitalpilzen. Daneben enthält er auch noch ausgiebige Mengen an Vitamin C, Phosphor und Kalium.

Es wurde gezeigt, dass Wirkstoffe des Pilzes die TH1 und TH2-Immunabwehr aktivieren können und die Reifung von dendritischen Zellen unterstützen.

In der Tumortherapie zeigte Agaricus bisporus durch die konjugierte Linolsäure (CLA) eine antikanzerogene Wirkung auf hormonabhängige Tumore, wie Brust- und Prostatakrebs. Diese hemmt das Enzym Aromatase, welches Testosteron in Östrogen umwandelt. Ein Lektin aus dem Fruchtkörper des Pilzes hat ebenfalls antiproliferative Wirkung auf verschiedene Zelltypen.

Agaricus bisporus sorgt für eine Verbesserung der physiologischen Darmflora bei gleichzeitiger Reduzierung pathogener Keime, wie z. B. der Clostridien oder des Helicobacter pylori. Dies ist ganz besonders nach Antibiotikagaben oder Wurmkuren von großem Nutzen.

Weiters besitzt der Champignon durch die phenolischen Inhaltsstoffe eine antioxidative Wirkung. Die blutzucker- und cholesterinsenkende Wirkung des Pilzes wurde 2010 in Studien an Ratten gezeigt. Der Pilz hat zusätzlich einen positiven Einfluss auf den Fett – und Leberstoffwechsel.

Agaricus blazei Murrill (ABM)

Der ABM ist auch bekannt als „Brasilianischer Egerling“, „Mandelpilz“ oder „Himematsutake“. Er enthält mit 17 verschiedenen Polysaccherid-Fraktionen, von denen 7 eine antikanzerogene Wirkung zeigen, den 2.höchsten Gehalt an bioaktiven Polysaccheriden nach dem Maitake. Weiters enthält er wertvolle Lektine, Nukleoside,Nukleotide, Isoflavone Fettsäuren (z.B Linolsäure und konjugierte Linolsäure) und Mineralstoffe,wie Kalium, Kupfer, Zink, Eisen und Magnesium.

Aufgrund seines hohen Gehalts an Gamma-Aminobuttersäure (GABA), Tryptophan und Adenosin, besitzt er eine herzstärkende Wirkung, da diese den kardialen sympathischen Tonus senken. Der Bluthochdruck wird positiv beeinflusst und die Arbeitsbelastung des Herzens verringert.

ABM hat eine stark aktivierende und modulierende Wirkung auf die Immunabwehr. Er stimuliert die Aktivierung der natürlichen Killerzellen, Granulozyten, Makrophagen, T-Zellen und dendritischen Zellen. Dadurch kann der Körper schneller auf Infektionen reagieren. Er hat eine antientzündliche Wirkung in dem er proentzündliche Zytokine reduziert. Allergien werden durch den antientzündlichen und histaminsenkenden Effekt, sowie die runteregulierende Wirkung von ABM auf IgE und IgG Antikörper abgemildert.

Die Polysaccheride im ABM unterdrücken die Proliferation von Krebszellen. Ein Grund hierfür ist der Inhaltsstoff Ergosterin, welcher die Ausbildung von kleinen Blutgefäßen um die Tumorzellen verhindert und somit weiteres Wachstum der entarteten Zellen verhindert wird. ABM kann die Nebenwirkungen einer Chemotherapie abschwächen.

In Studien wurde gezeigt, dass ABM einen antibiotischen Effekt auf Streptokokken und Leishmaniose-Erreger hat. Eine antivirale Wirkung wurde in Zusammenhang mit Herpes – und Polioviren nachgewiesen.

Oligosaccheride und Isoflavone beeinflussen den Blutzuckerspiegel durch Erhöhung des Insulinspiegels positiv,wodurch der Glukose Gehalt im Blut absinkt. Das kann bei Diabetes mellitus 2 Patienten unterstützend eingesetzt werden.

In hohen Dosen eingesetzt hat der ABM eine leberschützende Wirkung und kann bei Leberschäden und Leberschwächen eingesetzt werden.

Auricularia polytricha

Die Chinesische Morchel, auch bekannt als Mu-Err, ist ein Vitalpilz, der beinahe auf der gesamten Welt verbreitet ist. Der beliebte Speisepilz hat einen starken Bezug zum Blut und den Blutgefäßen. Seine sekundären Pflanzenstoffe haben eine durchblutungsfördernde Wirkung und hemmen die Verklumpung der Blutplättchen. Dabei greift er das Kollagen des Körpers nicht an, weshalb auch keine Gefahr von inneren Blutungen besteht. Durch diese Eigenschaften wird der Pilz gerne zur Prävention von Thrombosen, Herzinfakt und Schlaganfällen eingesetzt.

Die Polysaccheride des Auricularia wirken schützend auf die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse, was die antidiabetische Wirkung erklärt. Einige der beta-Glukane haben eine antientzündliche Wirkung vor allem im Bereich der Schleimhäute, Augen und Haut. Deswegen wird er gerne bei Tieren mit entzündlichen Reaktionen aufgrund von Allergien und Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

Untersuchungen zeigen die regulierende Wirkung des Mu-Err auf das Immunsystem auf, wodurch zum Beispiel die Bildung von Immunzellen aus der Milz verbessert werden konnte. Der Auricularia wirkt sich positiv auf die Stärkung des Immunsystems bei Tumorerkrankungen aus und wird deshalb gerne in der begleitenden Behandlung eingesetzt.

Chaga

Der Chaga (auch Schiefer Schillerporling) kommt in sehr kalten Regionen Russlands und Nordeuropa vor, da er Temperaturen bis zu -40°C bevorzugt. Den wildwachsenden Pilz zeichnen vor allem seine Vielfalt an sekundären Metaboliten aus. Er enthält Polysaccheride, Sterole, Polyphenole, Flavonoide und Terpene.

Chaga wird gerne unterstützend bei Erkrankungen des Verdauungssystems verwendet, u.a Geschwüren und Entzündungen des Magens (Gastritis) und Zwölffingerdarms. Die Verwendung des Pilzes stärkt außerdem die allgemeine Infektionsabwehr und wirkt stoffwechselanregend.  Chaga stärkt das Zentralnervensystem, wirkt entspannend und schlaffördernd und soll Bluthochdruck senken.

Das wichtigste Einsatzgebiet des Pilzes ist bei Krebserkrankungen. Dabei wirkt der Pilz immunstimulierend, antiproliferativ und zytotoxisch gegen Krebszellen. Einer der interessantesten Inhaltstoffe dieses Heilpilzes ist das Melanin. Dieses bewirkt eine Schutzfunktion gegen UV-Strahlung , hemmt die Lipid-Peroxidation und wirkt antimutagen. Chaga wird als Unterstützung von onkologischen Behandlungen empfohlen, da er zu einer schnelleren Regeneration des Immunssystems nach Chemotherapien beiträgt.

Da Chaga einen hohen Gehalt an Oxalsäure und Kalium hat,sollte er nicht langfristig in hohen Dosen verabreicht werden, um die Niere nicht zu sehr zu belasten.

Coprinus comatus

Der Coprinus oder Schopftintling ist ein sehr empfindlicher,leicht verderblicher Pilz der schwer anzubauen ist. Der Pilz löst sich beim Verbreiten der Sporen auf, in dem er sich zu einer schwarzen Flüssigkeit zersetzt, die früher als Tinte genutzt wurde. Der Schopftintling ist reich an Kalium, Magnesium, Eisen, Mangan und Zink und enthält darüber hinaus auch noch Niacin, Riboflavin und Thiamin. Er ist einer der wenigen Vitamin C-haltigen Pilze.

Der Pilz enthält sekundäre Pflanzenstoffe wie Polysaccheride, Lektine, Ergothionein, und die Nukleinsäuren Guanin und Adenin. Ergothionein ist eine schwefelhaltige Aminosäure mit starker antioxidativer und entzündungshemmender Wirkung.

Coprinus wird traditionell zur Anregung der Verdauung und zur Behandlung von Hämorrhoiden eingesetzt, da er regulierend und befeuchtend auf die Schleimhäute wirkt. Er hilft weiters durch seine antibakteriellen Eigenschaften bei Infektionen des Magen-Darm-Trakts.

Seine antikanzerogene Wirkung erklärt sich durch die Immunmodulation, die die Vermehrung spezieller Abwehrzellen in der Milz verstärkt, sowie einer erhöhten Sekretion von Zytokinen (TNFa, IL-2).

Das wichtigste Einsatzgebiet des Coprinus ist seine Anwendung bei Diabetes Typ I und II, da er eine stark blutzuckersenkende Wirkung hat. Inhaltsstoffe des Pilzes üben eine natürliche Schutzwirkung auf die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Langerhans-Inseln aus und hemmen bestimmte Glykolisierungsprozesse.

FAZIT

Man sieht bereits an den ersten Pilzportaits, dass Vitalpilze ein breites Anwendungsspektrum bieten und die Mykotherapie sehr vielversprechend ist. Da sie sehr verträglich und leicht zu dosieren sind, kann man sie auch sehr gut bei Tieren einsetzen. Dies sollte jedoch nicht ohne das ensprechende Fachwissen oder einen ausgebildeten Mykoberater erfolgen, denn man sollte die Pilze gezielt und in sinnvollen Kombinationen anwenden.

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