Omega was? Warum das richtige Öl in den Napf gehört

Omega was? Warum das richtige Öl in den Napf gehört

Diese Woche kann ich im Blog meiner Leidenschaft für Chemie frönen. Vielleicht kann ich ja den Einen oder Anderen ein wenig anstecken. 🙂

Immer wieder wird die Frage gestellt, welches Öl man beim Barfen am besten verwendet. Und warum sind manche Öle so gar nicht für die Fütterung von Hunden und Katzen geeignet?

Unterschied zwischen FETT und ÖL

Fette (= Triglyzeride) werden in Fett und Öl unterteilt – je nachdem, ob sie bei Raumtemperatur fest oder flüssig sind. Butter oder Schmalz sind bei Zimmertemperatur fest, während Olivenöl oder Sonnenblumenöl bei derselben Temperatur immer flüssig sind. Fett besteht aus gesättigten Fettsäuren, während Öle aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren bestehen.

Die gesättigten Fettsäuren besitzen nur chemische Einfachbindungen, während die ungesättigten Fettsäuren an bestimmten Positionen eine oder mehrere Doppelbindungen haben. Je mehr Doppelbindungen vorhanden sind, desto größer ist die Reaktionsfreude der Fettsäure. Dies ist auch der Grund dafür, weshalb Fette mit einem großen Anteil ungesättigter Fettsäuren schneller verderben. Diese Öle können durch Zufuhr von Sauerstoff oxidieren und werden dadurch relativ schnell ranzig. Diesen Vorgang nennt man Lipidperoxidation. Er findet nicht nur in der Ölflasche sondern auch im Körper statt und führt dazu, dass freie Radikale entstehen, die die Körperzellen schädigen können.

Essentielle Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren

Der Körper braucht zum Erhalt des Stoffwechsels auch Fettsäuren, von denen er die meisten selbst herstellen kann. Essentielle Fettsäuren kann der Körper nicht selber herstellen. Sie müssen deshalb über die Nahrung aufgenommen werden.

Fettsäuren haben je nach Art unterschiedliche Wirkungen im Stoffwechsel, und ein wichtiger Unterschied besteht hier zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die weitgehend von denselben Enzymen weiterverarbeitet werden, aber jeweils zu unterschiedlichen wichtigen hormonähnlichen Botenstoffen.

Aus Omega-6-Fettsäuren entstehen Botenstoffe, die deutlich entzündlicher im Stoffwechsel wirken (z.B. Prostaglandine) als Botenstoffe, die aus Omega-3 entstehen. Zwar sind beide Arten wichtig (Omega-6-Fettsäuren beispielsweise für das Wachstum, zur Wundheilung oder zur Infektionsabwehr), sollten aber in einem für den Körper optimalen Verhältnis konsumiert werden.

Essenziell für Hund und Katze sind die Omega 3 Fettsäure Alpha-Linolensäure und die Omega 6 Fettsäure Linolsäure. Katzen brauchen zudem noch Gamma-Linolensäure und Arachidonsäure, da sie diese nicht selber produzieren können. Alpha-Linolensäure (ALA) bildet die Ausgangsverbindung für die Synthese der Omega-3-Fettsäuren, von denen für uns Barfer vor allem die Eicosapentaensäure (EPA) und die Docosahexaensäure (DHA) von besonderer Bedeutung sind.

Warum ist das Verhältnis der essentiellen Fettsäuren so wichtig?

Besonders die Omega-6-Fettsäure wird über die Arachidonsäure zu entzündungsfördernden Prostaglandinen (Serie 2) metabolisiert, die Omega-3-Fettsäuren dagegen zu entzündungshemmenden Prostaglandinen (Serie 1). Eine Erhöhung der Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren und eine gleichzeitige Reduktion von Omega-6-Fettsäuren kann sich positiv auf die Gesundheit und Gesunderhaltung auswirken.

Wieso muss nun Öl ins Futter?

Wenn man sich einen BARF-Plan so ansieht, wird man immer auch Lachsöl oder Leinöl darin enthalten finden. Warum das? Der Wolf frisst ja auch kein Öl zusätzlich zum Beutetier.

Und damit sind wir genau bei dem Punkt warum man in der heutigen Zeit gezwungen ist, Öl in der Fütterung ein zu setzen.

Bei BARF füttern wir Omega 3-reiches tierisches Öl, um das Richtung Omega 6 verschobene Fettsäure-Verhältnis in Fleisch aus Masttierhaltung zu verbessern. Wenn man Fleisch aus Weidehaltung oder freilebendes Wild füttert, muss man das nicht. Das Fleisch von frei lebenden Beutetieren enthält nämlich die essentiellen Omega-6 und Omega-3-Fettsäuren in ausreichender Menge und vor allem dem richtigen Verhältnis  von Omega-3 zu Omega-6 von etwa 1 : 2,2.

Weidehaltung verbessert den ernährungsphysiologischen Wert von Fleisch erheblich. Das wurde bereits in wissenschaftlichen Untersuchungen getestet:

Bullen standen den Sommer über auf der Weide, im Winter wurden sie mit Gras-Silage und einem Kraftfutter mit zehn Prozent Leinsamen ernährt. Sie hatten später im Muskelfett doppelt so viel Omega-3-Fettsäuren wie eine Vergleichsgruppe, die das ganze Jahr über ein Getreide-Kraftfutter bekam. Auch der Gehalt an Linolsäuren verbesserte sich durch die Weidehaltung der Tiere. Grünfutter enthält nämlich reichlich mehrfach ungesättigte Linolensäure, während Heu bzw. Getreidepellets vorwiegend gesättigte Palmitinsäure bzw. einfach ungesättigte Ölsäure aufweisen. Werden die Tiere hauptsächlich auf der Weide gehalten, wo sie Grünfutter fressen können, erhöht sich der Anteil an Omega-3-Fettsäuren im Fleisch.

Von den heutigen Schlachttieren kann man das leider nicht mehr behaupten. Die Züchtung auf Körpermasse, der Licht-und Bewegungsmangel , und die nicht ausgewogene Ernährung der Schlachttiere mit Kraftfutter sorgen dafür, dass deutlich weniger Omega-3 Fettsäuren im Fleisch enthalten sind, als bei wildlebenden Tieren. Die Omega-6 Fettsäuren hingegen bleiben jedoch meist in ausreichender Menge enthalten, und damit verändert sich das Verhältnis der beiden Fettsäuren von einem gesundem Omega 3/6 Verhältnis von 1:2.5 auf bis zu 1:13.6 und noch schlechter. Stehen Rinder und Lämmer das ganze Jahr im Stall, enthält ihr Fleisch insgesamt mehr gesättigte Fettsäuren und ist fettreicher.

Es ist aber für den Körper wichtig, dass diese beiden Fettsäuren in einem ausgeglichenen Verhältnis vorkommen. Nur dann halten sich entzündungsfördernde und entzündungshemmende Einflüsse die Waage.

Da im Fleisch aus Masttierhaltung das Verhältnis der Fettsäuren sehr in Richtung der Omega-6-Fettsäuren verschoben ist, kann der Körper das nicht mehr alleine ausgleichen. Linolensäure (Omega 6) verwendet für seine Folgesynthese dieselben Enzyme wie alpha-Linolensäure (Omega 3) zur Bildung der wichtigen EPA und DHA. Ist der Überschuss an Linolensäure viel zu gross, werden die wichtigen Fettsäuren EPA und DHA nur mehr unzureichend gebildet und das ist langfristig nicht gut für den Körper.

Um dieses verschobene Omega 3: Omega 6 Verhältnis wieder in die richtige Richtung, nämlich jenes dem der Beutetiere zu verschieben, ist es notwendig Öl zu füttern, das viel Omega 3 und wenig Omega 6 Fettsäuren enthält.

Welche Öle sind geeignet?

Leider sind nicht alle Arten von Ölen für Hunde und Katzen geeignet. Pflanzenöle wie zum Beispiel Sonnenblumen-, Distel-, Mandel-, Walnuss-, Raps-, Soja-, Maiskeim- und Erdnussöl haben viel zu viele Omega-6-Fettsäuren (siehe Tabelle). Wie soll man mit solchen Ölen das Fettsäurenverhältnis in Richtung Omega 3 verbessern? Das funktioniert einfach nicht! Deswegen haben diese Öle bei der Fütterung von Hunden und Katzen überhaupt keinen Sinn!

Man sollte unbedingt Öle füttern, die mehr Omega 3 als Omega 6 haben und damit ein günstigeres Verhältnis der 2 Fettsäuren. Da haben tierische Öle wie Fischöl und Lachsöl einfach die Nase vorn. Lachsöl enthält 2,5 mal mehr Omega 3 als Omega 6 Fettsäuren. Mehr zu den passenden Ölen findest Du in dem Blog „Die Qual der Wahl – welches Öl darf in den Napf“.

Der Vorteil bei tierischem Öl ist auch, das die wichtigen Omega 3 Fettsäuren EPA und DHA bereits direkt im Öl vorliegen und somit ohne Umwege vom Tier genutzt werden können.

In pflanzlichen Ölen, wie auch dem Leinöl, liegen die  Omega 3 Fettsäuren hauptsächlich in Form von alpha-Linolensäure vor. Diese Vorstufe muss im Körper des Hundes/der Katze erst in EPA und DHA umgewandelt werden. Diese Umwandlung können die Tiere nur mit sehr geringem Wirkungsgrad betreiben. Katzen sogar überhaupt nicht! Daher ist es immer von Vorteil hochwertige tierische Öle füttern. Bei Katzen bitte ganz auf pflanzliche Öle verzichten.

Da die Öle, wie bereits oben geschrieben, sehr reaktiv sind, ist es notwendig sie durch Zugabe eines Antioxidans wie z.B Vitamin E zu stabilisieren. Dieses verhindert die schnelle Lipidoxidation der Öle, sie werden dadurch auch etwas länger haltbar!

Öl sollte stets kühl und lichtgeschützt gelagert werden. Man sollte darauf achten, dass das Öl in einer dunklen Flasche verkauft wird und es innerhalb von 6-10 Wochen verbrauchen. Daher macht es wenig Sinn besonders große Mengen zu kaufen.

Wieviel Öl sollte man füttern?

Für den Hund nimmt man:  0,2 – 0,3 g Öl pro kg Körpergewicht/Tag oder 1ml Öl/100g Futter

Für die Katze nimmt man:  1% tierisches Öl im Komplettfutter

Wieviel Vitamin E muss ich dem Öl zusetzen?

10 i.E (=internationale Einheiten) Vitamin E/ml Öl

FAZIT:

Wenn man nicht an Fleisch aus Weidehaltung heran kommt, ist es wichtig das richtige Öl zu füttern, um das verschobene Omega 3 : Omega 6 Verhältnis zu verbessern. Bevor man ein Öl mit Omega 6 Überschuss füttert, lieber gar kein Öl zu füttern!

Am besten eignen sich dafür tierische Öle, wie z.B Lachsöl. Beim Kauf sollte man auf Qualität statt Quantität Wert legen. Das Öl sollte in dunklen Glasflaschen verkauft werden und eine Schadstoffanalyse enthalten. Fisch aus Aquakultur gehört ja zu den schwer belasteten Lebensmitteln.

Dem Öl immer Vitamin E als Antioxidans zusetzen, wenn es nicht bereits Vitamin E enthält. Dies macht das Öl länger haltbar und schützt das Öl und das Tier vor ungewollten Oxidationen.

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