Katzen und Heilkräuter – funktioniert das?

Katzen und Heilkräuter – funktioniert das?

Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) ist die Lehre vom therapeutischen Einsatz der Pflanzen und ihrer Inhaltsstoffe und ist eines der ältesten Therapieverfahren in der Medizin. Schon in der Antike und dem Mittelalter wurden die Wirkstoffe der Pflanzen erfolgreich eingesetzt. Erst im 19. Jahrhundert ist es dann gelungen die Wirkstoffe aus den Pflanzen auf zu reinigen um sie in reiner Form zu verwenden. Dazu gehören zum Beispiel die Salicylsäure aus der Weidenrinde oder das Morphin aus dem Schlafmohn, die dann als hochwirksame Arzneien verwendet werden konnten. Zahlreiche wissenschaftliche Studien aus der modernen Arzneimittelforschung belegen mittlerweile die Wirkung vieler Pflanzenstoffe.

Die Phytotherapie lässt sich grob in zwei Bereiche aufteilen. Es gibt einerseits die sogenannte rationale Phytotherapie, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert und andererseits die traditionelle Phytotherapie die auf Erfahrungen beruht.

Grundprinzipien der Heilpflanzenanwendung

Damit man Krankheitsverläufe beeinflussen kann, muss man im Körper einen gewissen Wirkstoffspiegel erreichen. Die verwendeten Heilpflanzen werden gezielt aufgrund ihrer enthaltenen Wirkstoffe eingesetzt. Man kann sie als Einzeldrogen verwenden oder in Mischungen so zusammenstellen, dass sie sich in ihrer Wirkung ergänzen. Heilpflanzen werden meistens über einen begrenzten Zeitraum angewendet, damit es nicht zu ungewollten Gewöhnungseffekten kommt.

Heilpflanzen wurden in der modernen Zeit lange als „Hausmittelchen“ belächelt und gerieten zum Teil in Vergessenheit. Das Bewusstsein um gesunde Ernährung wächst jedoch in den letzten Jahren verstärkt, und so erleben auch die Kräuter und Pflanzen als sanfte, natürliche und wirksame Helfer bei Erkrankungen eine kleine Renaissance. Nicht nur beim Menschen, sondern auch im Einsatz bei unseren geliebten Haustieren. Klug ist, wer sich selbst hilft. Viele Wildtiere bedienen sich bei Beschwerden oder Krankheiten ganz eigenständig an der Pflanzenapotheke.

Leider werden Empfehlungen für Menschen oftmals gedankenlos auf Tiere übertragen und man findet mittlerweile unzählige Kräutermischungen für Hunde und Katzen auf dem Markt. Dabei müsste eigentlich klar sein, dass sich die Organismen von Menschen und Tieren gerade in Sachen Stoffwechsel und Verdauungsapparat zum Teil sehr stark unterscheiden. Viele Erkenntnisse aus dem Humanbereich bezüglich Wirksamkeit und Dosierung können gut auf Hunde umgelegt werden. Bei Katzen sieht das jedoch etwas anders aus und ist auch weitaus weniger erforscht. Was wir als „Allesfresser“ sehr gut verdauen können, ist für reine Carnivoren wie die Katze oftmals nicht verträglich oder sogar giftig.

Wenn man an Kräuter und Katzen denkt, fallen einem sofort Katzenminze und Baldrian ein, die auf viele Katzen eine euphorisierende Wirkung haben. Kräuter und Heilpflanzen können bei Katzen in vieler Hinsicht zum Einsatz kommen – als eigentliche Heilpflanze, als Stimulans oder zur Anregung der Verdauung. Aufgrund des besonderen Stoffwechsels der Katze muss man Heilkräuter bei Katzen aber mit großem Bedacht anwenden und genau wissen, welche Kräuter für Katzen geeignet sind und welche nicht.

Doch was macht Katzen bei der Anwendung von Heilkräutern so speziell?

Katzen haben eine eingeschränkte Fähigkeit bei dem Prozess der Glucuronidierung. Die Glucoronidierung ist eine metabolische Reaktion, bei der ein körpereigenes oder körperfremdes Substrat mit Glucuronsäure verknüpft wird. Dadurch wird dieser Stoff in der Regel besser wasserlöslich und kann mit dem Harn aus dem Körper ausgeleitet werden. Da diese Fähigkeit bei Katzen sehr eingeschränkt ist, können sie viele Wirkstoffe nicht so schnell abbauen, wie andere Säugetiere. Diese Substanzen reichern sich dadurch im Körper der Katze an und es kommt langsam zu einer Vergiftung. Das muss natürlich unbedingt vermieden werden. Man steht somit vor der Problematik eine goldene Mitte zwischen Wirksamkeit und Toxizität zu finden. Bei vielen Pflanzenwirkstoffen gibt es diese Mitte jedoch nicht ohne bei deren Einsatz ein zu großes Risiko einzugehen. Es gibt auch für Katzen erst sehr wenig getestete oder wissenschaftlich belegte Dosierungsvorschläge, was das Vorgehen bei der Phytotherapie erschwert.

Unsere Samtpfoten haben als obligate (=strikte) Fleischfresser zudem die Schwierigkeit, dass sie Pflanzen aufgrund der geringeren Amylaseaktivität weniger effektiv verdauen können. Daher kann man sich nicht sicher sein, wieviel der Wirkstoffe in den Pflanzen auch tatsächlich vom Körper der Katze genutzt werden.

Und nicht unwesentlich bei der Anwendung von Heilpflanzen bei Katzen ist die notwendige Akzeptanz. Es kann durchaus schwierig sein, geeignete Kräuter/Pflanzen in den Haustiger zu bekommen. Je geschmacksintensiver die Pflanze, desto schwieriger gestaltet sich oft die längerfristige Anwendung.

Bei welchen Pflanzen muss man aufpassen?

Ob eine Heilpflanze für Katzen grundsätzlich geeignet ist und wie schnell sie bei der Anwendung gegebenenfalls gefährlich werden kann, ist sehr stark wirkstoffabhängig. Meist ungeeignet sind Heilpflanzen, die folgende Inhaltsstoffe enthalten:

  • ätherische Öle
  • Scharfstoffe
  • Alkaloide
  • viele Bitterstoffe und
  • manche Gerbstoffe

Ätherische Öle wie sie z.B in vielen Küchenkräutern enthalten sind, sind problematisch, da Katzen die enthaltenen Terpene und Phenole nicht verstoffwechseln können. Das gefährlichste Öl für die Katze ist z.B das Teebaumöl, das oft zur Zeckenprophylaxe empfohlen wird. Auch beim Einsatz von ätherischen Ölen in Duftlampen oder Verneblern sollte man tunlichst Abstand nehmen, wenn man mit Katzen zusammen wohnt! Ebenso ist Schwarzkümmelöl bei Katzen ein No Go!

Scharfstoffhaltige Pflanzen (z.B Ingwer, Meerrettich, Kresse, …) reizen den empfindlichen Verdauungstrakt von Katzen und können durch ihre blutverdünnende Wirkung bestehende Krankheiten verschlimmern. Alkaloidpflanzen sind oft Heilpflanzen mit einem toxischen Potential und sollten bei Katzen überhaupt nicht eingesetzt werden, da sie sehr oft lebertoxisch sind. Bitterstoffe sind nicht zwingend für Katzen ungeeignet, besitzen jedoch häufig eine sehr schlechte Akzeptanz. Bei den Gerbstoffen hängt die Verträglichkeit von Katzen stark von der Gerbstoffart ab. Wenn nicht bekannt ist, welche Gerbstoffe in der Pflanze enthalten sind, sollte man diese Pflanze im phytotherapeutischen Einsatz lieber meiden.

Aufgrund dieser Punkte sind wild zusammen gewürfelte Kräutermischungen wie man sie heute oft im Handel findet, bei Katzen sehr kritisch zu sehen. Kräutermischungen sollten immer speziell für Katzen zusammengestellt sein und nicht für mehrere Tierarten. Man sollte Heilkräuter bei Katzen auch grundsätzlich nicht „einfach so“ anwenden, sondern nur bei einer medizinischen Notwendigkeit.

Einsatz von Heilkräutern bei Katzen

Es gibt jedoch auch eine Vielzahl von Heilpflanzen die bei leichteren Beschwerden der Katzen mit dem notwendigen Grundwissen angewendet werden können. Dazu gibt es leider wenig gute Literatur. Die Bücher „Heilpflanzenkunde für die Veterinärmedizin“ oder „Phytotherapie in der Tiermedizin“ liefern dazu wertvolle Grundlagen.

Bei Katzen finden Heilpflanzen zur Stärkung oder Modulation des Immunsystems Verwendung. Da die Wirkmechanismen bei Katzen jedoch wenig oder kaum erforscht sind, ist hier oft weniger mehr.

Katzen haben sehr häufig mit Verstopfungen zu kämpfen. Der Einsatz von Anthranoiddrogen ist bei Katzen aufgrund der schlechteren Verträglichkeit und Akzeptanz eher unüblich. In diesen Fällen verwendet man bei Katzen gerne Quellstoffe, wie z.B Flohsamenschalen. Der abführende Effekt entsteht rein physikalisch über die Volumsvergrößerung. Man hat auch kaum die Gefahr einer Überdosierung!

Schleimstoffdrogen, wie Slippery Elm Bark (Rotulmenrinde) und Eibischwurzel können bei Katzen sehr gut bei Erkrankungen des Magen/Darm-Trakts verwendet werden. Sie wirken stopfend und entzündungshemmend bei Entzündungen der Magen – oder Darmschleimhaut.

Es gibt auch andere Heilkräuter, die man bei der Katze anwenden kann (Mariendistel, Weißdorn, Brennnessel, Große Klette, uvm.). Hier sollte man sich jedoch gut einlesen bezüglich der richtigen Dosierung und Anwendungsform oder einen Phytotherapeuten zur Rate ziehen, der sich auch mit Katzen beschäftigt.

FAZIT

Die Phytotherapie kann bei vielen Beschwerden der Katze eingesetzt werden. Das Angebot an Wild- und Heilpflanzen, die auch Katzen helfen können, ist groß und wartet auch darauf entdeckt zu werden. Wenn man in der Anwendung von Heilpflanzen bei der Katze unsicher ist, sollte man keine Experimente machen, sondern sich bei einem Phytotherapeuten oder einem Tierheilpraktiker Rat holen.

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