Kohlenhydrate in der BARF-Fütterung

Kohlenhydrate in der BARF-Fütterung

Wenn man sich die Zusammensetzung von diversen Trocken- und Nassfuttern für Hunde und Katzen anschaut, bemerkt man, dass der Kohlenhydratanteil z.T sehr hoch ist.

Das wäre ein Beispiel für ein handelsübliches Trockenfutter für Hunde: Getreide (Vollkorn 57%), Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (15%), pflanzliche Nebenerzeugnisse, uvm.

Hier ein Trockenfutter für Katzen: Huhn (17%), getrocknetes Geflügelprotein, Vollkorn-Weizen (17%), Mais, Sojamehl, Weizenklebermehl, tierisches Fett, Maisklebermehl, getrocknete Chicoréewurzel, Maisschrot, uvm.

Der tierische Anteil in diesen Futtern liegt nur bei ungefähr 15%, der Rest sind pflanzliche Komponenten, Öle und Fett, sowie zugesetzte Mineralstoffe und Vitamine.

Da der Hund mit den Jahrtausenden die Fähigkeit erworben hat, Kohlenhydrate verdauen zu können, ist eins der Argumente für eine Fütterung solcher Futtermittel.

Aber wie sieht das tatsächlich aus – brauchen Hunde und Katzen unbedingt Kohlenhydrate im Futter? Um das zu beantworten, muss man sich einfach nur das Verdauungssystem von Hund und Katze genauer anschauen.  

Der Verdauungstrakt bei Hund und Katze

Dass Hunde und Katzen noch immer als Karnivore einzustufen sind, zeigt sich an ihrem Verdauungssystem.

Der Darm eines Fleischfressers ist im Verhältnis zu seiner Körperlänge fast siebenmal so lang. Dies erscheint beeindruckend, ist aber im Vergleich zum Darm eines Pflanzenfressers mit einer ungefähr 10-12 fachen Länge ihrer Körpergröße geradezu lächerlich.

Der sehr lange Darm des Pflanzenfressers und die damit verbundene lange Verweildauer des Nahrungsbreis im Darm, sowie spezielle Verdauungsenzyme machen die Verwertung der Kohlenhydrate für sie überhaupt erst möglich.

Weder Hund noch Katze sind somit von ihrer Anatomie her, auf die langwierige Aufspaltung und Verwertung von großen Mengen komplexer Kohlenhydrate (Getreide, Stärke) ausgelegt.

Übersicht der Verdauungsenzyme 

Beim Hund

Der Hund hat aber über die Jahrtausende genetisch die Fähigkeit erworben, Kohlenhydrate verdauen und für die Energiegewinnung nutzen zu können. Er kann nämlich, im Gegensatz zur Katze, das Enzym Amylase in etwas größeren Mengen bilden. Amylase macht Kohlenhydrate für den Körper verwertbar und baut sie zu kleineren Einheiten, wie z.B. Glukose und Maltose, ab. Es ist dem Hund dadurch möglich, auch aus Kohlenhydraten Energie zu gewinnen. Da dieser Energiegewinnungsprozess beim Hund nicht sehr effektiv abläuft, ist es für den Hund aber von Vorteil, wenn Energie über Fett anstatt von Kohlenhydraten zugeführt wird.

Bei der Katze

Bei Katzen hat das Enzym Amylase zur Kohlenhydratspaltung eine sehr eingeschränkte Aktivität. Weiters werden Kohlenhydrate bei z.B Hund und Mensch von zwei Leberenzymen, der Hexokinase und der Glukokinase zu Glukose umgewandelt. Die Leber von Katzen zeigt zwar eine normale Hexokinase-Aktivität, jedoch nur eine sehr geringe Glukokinase-Aktivität. Daher haben Katzen nur eine sehr eingeschränkte Fähigkeit zur Verstoffwechslung größerer Mengen an einfachen Kohlenhydraten.

Es erscheint äußerlich, als würde die Katze erstaunlich große Mengen an Kohlenhydraten tolerieren, obwohl sie für sie verdauungstechnisch eigentlich wertlos für sie sind. Da die Kohlenhydrate jedoch nur sehr, sehr langsam von der Katze abgebaut werden, verbleiben diese Zuckerstoffe lange im Verdauungssystem und schädigen dabei z.B Niere und Bauchspeichldrüse. Nierenerkrankungen und Diabetes sind heute die am weitest verbreiteten Erkrankungen bei Katzen, die mit sehr kohlenhydratreichem Futter gefüttert werden.

Die Energiegewinnung der Katze, als obligater Karnivor ist komplett auf die Verdauung von Eiweißen und Fetten ausgerichtet. Dem sollte man in der Fütterung Rechnung tragen und auf Kohlenhydrate im Futter der Katzen verzichten. Manche Katzen brauchen einen minimalen Anteil an Faserstoffen, sollten sie zu Verstopfung neigen. Das kann man in der BARF-Ration jedoch problemlos berücksichtigen.

Die Phytinsäure/Phytat – ein Nährstoffdieb

Das größere Problem mit Kohlenhydraten in der Hundeernährung ist jedoch ein sekundärer Pflanzenstoff, der vor allem in Getreide & Co vorkommt – die sogenannte Phytinsäure.

Zunächst einmal ist die Phytinsäure ein ganz natürlicher Stoff: Sie kommt vor allem in Getreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen und Kernen vor. Phytinsäure ist ein Stoff, der in der Pflanzenwelt Phosphor (als Teil des Moleküls) und andere Mineralien (durch Chelat-Bildung) bindet.

Phytinsäure wird auch als „Mineralien-Falle“ bezeichnet. Als Phytat (dem Anion der Phytinsäure) bildet sie mit bestimmten vorbei kommenden Mineralstoff-Kationen einen Komplex.

Diese Bindung ist bei der Phytinsäure sehr stark und kann vom Menschen und vielen Tieren nicht mehr eigenständig aufgespalten werden, da das Enzym Phytase fehlt. Das hat zur Folge, das die Phytinsäure den Körper mitsamt der gebunden Mineralien wieder verlässt. Eisen, Magnesium, Mangan, Kalzium, Zink, aber auch Schwermetalle gehören zur langen Liste von Mineralien, die durch Phytinsäure gebunden werden können.

Ist Phytinsäure in natürlichen Mengen im Spiel, verringert sich die Mineralien-Aufnahme auf ca. nur noch ein Drittel von dem, was der Körper ohne Phytinsäure aufnehmen könnte. Die Bioverfügbarkeit dieser Stoffe wird also stark herab gesetzt.
Die Bioverfügbarkeit ist eine Messgröße dafür, wie viel  von einem Stoff im Kreislauf zur Verfügung steht und wie schnell dieser Stoff vom Körper aufgenommen wird.

Füttert man dem Hund also größere Mengen Kohlenhydrate, müsste man von vielen Mineralstoffen ebenfalls mehr geben, da eben ein Teil der Mineralstoffe von der Phytinsäure gebunden werden und für den Körper damit verloren sind.

Große Mengen Phytinsäure blockieren zusätzlich auch die Verdauungsenzyme Pepsin und Trypsin. Diese Enzyme benötigt der Hund jedoch unbedingt zum Verdauen von Proteinen.

Kohlenhydrate in der BARF-Fütterung von Hunden

Da gesunde Hunde keinen zwingenden Kohlenhydratbedarf haben, ist es erstmal nicht notwendig, große Mengen an Getreide, Kartoffeln oder anderen Stärkelieferanten zu verfüttern. Es ist jedoch kein Problem einen kleinen Teil des Futter (bis zu 10% der Tagesfuttermenge) mit Getreide (optimalerweise Pseudo-Getreide) oder Kartoffeln zu ergänzen. Der Hund ist ja in der Lage eine kleine Menge an Kohlenhydraten verdauen.

Unverdauliche Kohlenhydrate in Form von Faserstoffen braucht der Hund für eine gesunde Darmflora und eine funktionierende Darmperistaltik. Diese Form der Kohlenhydrate wird bei BARF aber ohnehin über den Obst und Gemüseanteil zugeführt.

Wann macht es Sinn Kohlenhydrate zu füttern? 

Man darf Kohlenhydrate nicht verteufeln. In manchen Situationen macht es durchaus Sinn Kohlenhydrate zu füttern.

Wenn man Hunde aufpäppeln muss, weil sie zu dünn sind, kann man das nicht tun, indem man den Fettgehalt in der Futterration unendlich hochschraubt. Dies kann ziemlich schnell auf die Bauchspeicheldrüse schlagen und das will man auf keinen Fall riskieren. Auch macht es wenig Sinn die Futtermenge extrem an zu heben. Hier kann man dann die Futterration mit Kohlenhydraten ergänzen, damit der Hund an Gewicht zulegt.

Auch bei Erkrankungen der Leber ist eine Fütterung von Kohlenhydraten sinnvoll, wenn man die Leber entlasten möchte. Man muss somit den Proteingehalt des Futters absenken und im Gegenzug Kohlenhydrate zuführen, damit das Tier ausreichend Energie bekommt.

FAZIT

Jede Medaille hat 2 Seiten, so auch das Thema Kohlenhydrate. Gesunde Hunde sind nicht auf die Zufuhr von Kohlenhydraten angewiesen. Sie können jedoch ein kleiner Teil der Fütterung sein. In manchen Lebensphasen ist die Fütterung von Kohlenhydraten durchaus sinnvoll und dann sollten sie auch eingesetzt werden.

Die natürliche Nahrung von Katzen ist reich an tierischen Proteinen und sehr kohlenhydratarm. Dem hat sich der Stoffwechsel der Katzen perfekt angepasst, in dem sie Kohlenhydrate so gut wie nicht verstoffwechseln können. Sie gewinnen dafür Glukose aus Proteinen. Somit benötigen Katzen keine Kohlenhydrate im Futter, sondern eine proteinreiche Futteration auf Basis von Fleisch.

Da die Fütterung nach dem BARF-Prinzip so flexibel ist, kann man die Futterration des eigenen Tieres immer genau den Bedürfnissen anpassen.

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