Wie sieht BARF bei Katzen aus?

Wie sieht BARF bei Katzen aus?

Während das Barfen von Hunden in den letzten Jahren immer mehr Einzug gehalten hat, wird Barfen von Katzen noch von vielen etwas skeptisch gesehen. Das liegt aber eher nicht an dem Aufbau des Futterplans, sondern daran, dass Katzen es einem bei der Umstellung auf neues Futter oft nicht leicht machen.

Beim Barfen dreht sich alles darum, die natürliche Beute der Katze so genau wie möglich nachzubauen. Den Hauptbestandteil der Nahrung stellen im Regelfall kleine Beutetiere wie Nager, Vögel und Hasenartige dar. Wenn Katzen in der Natur Mäuse und andere Beutetiere erjagen, fressen sie nicht nur das Muskelfleisch, sondern das ganze Tier.

Der Aufbau einer Maus sieht ungefähr so aus:

Wichtige Nährstoffe für die Katze

Protein

Tierisches Eiweiß (Proteine) ist unentbehrlich für die Bildung und Erhaltung der Körpersubstanz. Katzen benötigen vergleichsweise viel Eiweiß, das hochwertig sein und ausreichend essenzielle Aminosäuren enthalten muss (Muskelfleisch). Für welches Fleisch man sich entscheidet, hängt vor allem vom Geschmack der Katze ab: Geflügel, Rind, Lamm, Ziege, Wild, Kaninchen, uvm. Rohes Schweinefleisch sollte aufgrund des Aujeszky Virus nicht gefüttert werden.

Fett

Fett liefert wichtige Energie und hilft fettlösliche Vitamine besser zu verwerten. Katzen als Karnivoren sind fettliebende Tiere. Man muss sich in der Katzenernährung von dem Gedanken lösen, dass alles fettarm sein muss. Der Fettgehalt in einer Katzen BARF-Ration liegt bei 10% der Futtermenge. Das erreicht man durch Fütterung von fettem Muskelfleisch oder man muss mageres Muskelfleisch mit tierischem Fett entsprechend ergänzen.

Innereien

Die Innereien liefern auch bei der Fütterung der Katze die wertvollen Vitamine und Mineralstoffe. Aufgrund des höheren Taurin-Bedarfs der Katze füttert man einen höheren Anteil an Herz als beim Hund (15% der Futtermenge), Leber mit mindestens 5% und, wenn die Katze es frisst, kann man auch Niere und Milz mit je 2.5% im Futterplan integrieren.

Knochen

Knochen dienen auch bei der Katze als Kalziumlieferant. Beim Barfen von Katzen greift man dabei aber auf weiche Knochen vom Huhn oder Kaninchen zurück, die auch nicht unbedingt nur gewolft gegeben werden müssen. Viele Katzen sind durchaus in der Lage die Knochen zu zerlegen. Knochen dürfen auf keinen Fall gekocht gegeben werden. Reagiert die Katze mit Verstopfung kann man auch hier problemlos auf Kalzium-Supplemente wie Knochenmehl zurückgreifen.

Kohlenhydrate und Ballaststoffe

Kohlenhydrate spielen in der Katzenernährung eine sehr untergeordnete Rolle. Sie sind auf keinen Fall essentiell für die Katze, da sie aufgrund der minimalen Amylase-Aktivität gar nicht in der Lage sind, Kohlenhydrate effektiv aufzuspalten und die Nährstoffe zu nutzen.

Mit Ballaststoffen kann man in der Katzenernährung den Kotabsatz sanft regulieren, wenn das notwendig sein sollte. Lösliche Ballaststoffe erleichtern den Kotabsatz, während unlösliche Ballaststoffe leicht aufquellen und dadurch das Kotvolumen erhöhen. Gemüse und Obst enthalten meist beide Arten an Ballaststoffen (Faserstoffen). Werden sie von der Katze verweigert kann man auch gequollene Flohsamenschalen ausprobieren.

Zusätze

Die Anzahl der notwendigen Zusätze hält sich auch bei der Katze in Grenzen:

  • Blut liefert wertvolle Mineralstoffe wie Eisen und Natrium (Fütterungsmenge: 3-4% der Futtermenge)
  • Taurin kann noch mit 0,2% ergänzt werden, außer Herz wird verschmäht, dann muss man die Menge erhöhen
  • Tierisches Omega 369 – Öl mit Vitamin E zur Verbesserung des Omega 3/6 Verhältnisses durch Fütterung von Fleisch aus Masttierhaltung
  • Eigelb liefert wertvolle Vitamine des B-Komplex, ebenso wie Bierhefe
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Bedarfsdeckende BARF-Rezepte für die Katze

Wie bei Hunden auch gibt es unterschiedliche Ansätze, wie ein BARF-Ration für Katzen aussehen kann.

Rezept Beutetier 1 (mehr Herz)

Hauptkomponenten:

47.5% mageres Muskelfleisch
2.5% Vitamin D-haltigen Fisch (Lachs, Forelle, Hering)
10% tierisches Fett
15% Herz
10% Innereien (5% Leber, je 2.5% Niere und Milz)
10% weiche Knochen (RFK)
5% Obst/Gemüse Mischung

Zusätze:

50ml Blut/kg Muskelfleisch
1% Fischöl mit Vitamin E
0,2% Seealgenmehl (500mg Jod/kg)
0,2% Taurin
2 Eigelb/kg Futtermenge

Rezept Beutetier 2

Hauptkomponenten:

95% tierischer Anteil
67.5 % Muskelfleisch mit ca. 15% Fettanteil
2.5% Vitamin D-haltiger Fisch (Lachs, Forelle, Hering)
15% Innereien (30% Leber, Niere, Milz, Herz und Lunge zu gleichen Teilen)
15% Rohe Fleischige Knochen (RFK)

5% pflanzlicher Anteil
5% Obst/Gemüse Mischung

Zusätze:

50ml Blut/kg Muskelfleisch
1g Fischöl mit Vitamin E/kg Futter
Seealgenmehl auf den Bedarf berechnet ( der Jodbedarf der ausgewachsenen, gesunden Katze liegt nach NRC bei 35µg pro Kilo, beim Kitten bei 93µg pro Kilo metabolischer Körpermasse
1g Taurin/kg Futter

Die Futtermenge beträgt 3-5% vom Körpergewicht bei der erwachsenen Katze. Wie beim Hund muss man das individuell auf die eigene Katze anpassen, da ein Couch-Potatoe einen anderen Energiebedarf hat als ein kleiner Ninja. Kitten bekommen im Normalfall All You Can Eat (AYCE), da sie relativ schnell lernen, wie viel Futter sie tatsächlich brauchen.

Frankenprey als Alternative zu BARF

Bei Katzen kennt man auch noch die Fütterung nach dem Frankenprey-Prinzip, die sich etwas von der BARF-Aufteilung unterscheidet. Hier füttert man 80 – 85 % Fleisch (inkl. Herz, Magen, Fett, Haut,…), 5-10 % reinem Knochen, 5 % Leber und 5 % eines anderen Organs (Niere, Milz oder Lunge). Ballaststoffe oder Zusätze kommen beim „echten“ Frankenprey abgesehen von Blut, Lachsöl und evt. Taurin nicht vor.

Supplement-BARF bei Verweigerern

Es gibt auch Katzen die richtig gerne Muskelfleisch fressen, jedoch partout nicht dazu zu überreden sind eine komplette BARF-Ration mit Innereien und Knochen zu fressen. Eines dieser Exemplare wohnt bei mir zu Hause. 🙂

Bei diesen schwierigen Fällen kann man probieren reines Muskelfleisch mit
Komplett-Präparaten wie Felini Complete oder easy B.A.R.F plus zu geben. Diese Supplemente enthalten alle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die die Katze braucht. Die Pulver werden meist gut akzeptiert und müssen nur in einer bestimmten Menge mit dem Muskelfleisch gemischt werden. Bei beiden Supplementen kann das Muskelfleisch mit Magen, Herz (bis 15%) und Niere (bis 5%) ergänzt werden.

Tips

Auch bei der Katze sollte es Tierarten geben, die man für eventuelle Ausschlussdiäten zurückhält und nicht füttert – auch nicht als Leckerli.

Wie beim Hund gilt auch bei der Katze – es muss nicht alles auf 10 Nachkommastellen berechnet werden. Wichtig ist vor allem, dass die Katze mit allem Notwendigen versorgt wird und dass die Verhältnisse zwischen den verschiedenen Futterkomponenten stimmen.

Bei Katzen muss man herausfinden, was sie gerne fressen und manchmal viel Zeit in die Umstellung investieren. Davon sollte man sich jedoch nicht abhalten lassen, denn keine andere Fütterung kommt bei einem obligaten Karnivor der Natur so nah wie BARF.


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