Umstellung auf BARF Fütterung bei Hunden

Umstellung auf BARF Fütterung bei Hunden

Wenn man sich entschieden hat auf BARF um zu stellen, ist man meist sofort hoch motiviert. Man kauft wie wild Fleisch ein und möchte am liebsten morgen gleich loslegen. Ohne da die Freude zerstören zu wollen – ganz so schnell geht es nicht.  Es bedarf einiger weniger, aber wichtiger Vorbereitungen, bevor man mit der Fütterung startet. Vor allem bei älteren, kränklichen Tieren und Hunden mit  Magen/Darm-Problemen muss man da etwas vorsichtiger sein.

Einige Dinge sollte man vor der Umstellung beachten:

Eigenstudium

Man sollte sich, bevor man mit der BARF-Fütterung beginnt, wirklich mit dem Thema auseinander setzen und sich die Grundlagen dieser Fütterungsform aneignen. Es ist unbedingt notwendig eine Grundidee davon zu haben was Hund oder Katze fressen sollten.

Dazu gehören die notwendige Futtermenge und die richtige Zusammensetzung einer bedarfsdeckenden Portion. Welche Zusätze sind notwendig sind was wäre vielleicht eine nette Abwechslung im Napf. Es gibt mittlerweile viel Literatur, in der man schmökern kann und mit deren Hilfe man selber einen Ernährungsplan für das gesunde Tier berechnen kann.

Am Anfang kalkuliert man die Futtermenge in dem man 2-3% des Körpergewichts für mittelgroße Hunde heran zieht. Kleine Hunde <5kg und Katzen haben meist einen etwas größeren Bedarf von 3-6%. Später passt man den Plan falls notwendig an, es ist aber wichtig einen Startpunkt zu haben.

Logistik

Wenn man den Plan in Händen hält, muss man sich überlegen wo man die notwendigen Dinge herbekommt und wie der Lagerplatz zu Hause aussieht.

Wie viel Fleisch kann man tiefgekühlt einlagern und für welche Zeit das Futter vor portionieren, ohne das der Tiefkühler aus allen Nähten platzt?

Wie verändert BARF die Verdauung der Hunde?

Wenn das Tier davor mit Fertigfutter, eventuell sogar Trockenfutter ernährt wurde, ist es nicht ratsam von einem Tag auf den anderen komplett auf Rohfutter um zu stellen. Zwischen den Fütterungsarten gibt es einige Unterschiede was den Wassergehalt, die Verdaulichkeit und die Inhaltsstoffe betrifft. Eine zu schnelle Umstellung kann im blödesten Fall zu Verdauungsproblemen führen und das möchte man vermeiden.

Die Verdauung des Hundes passt sich der jeweiligen Fütterung an. Ein mit Trockenfutter gefütterter Hund hat einen eher wässrigen Speichel und eine mittelstarke Magensäure. Im Gegensatz zum Trockenfutter mit einem hohen Anteil an Kohlenhydraten, müssen bei einer BARF-Portion rohes Fleisch und Knochen verdaut werden. Dazu braucht es eine ausreichende Menge Magensäure. Fleisch (Protein) ist ein Schlüsselreiz für die Produktion von Magensäure, daher entsteht im Magen gebarfter Hunde eine größere Menge Magensäure als bei Hunden die mit Trockenfutter gefüttert werden.

Der Speichel von gebarften Hunden wird mit der Zeit dickflüssiger. Dieser umhüllt spitze Teile von Knochen, damit sie gefahrlos in den Magen rutschen können.

Zur Aufspaltung von Kohlenhydraten in Fertigfutter wird eine erhöhte Konzentration von Amylasen als Verdauungsenzyme benötigt. Im Gegenzug dazu, muss die Bauchspeicheldrüse bei Rohfütterung mehr Lipasen und Proteasen zur Spaltung von Fett und Proteinen produzieren. Die zuckerspaltenden Amylasen werden nun weniger benötigt, da BARF wenig bis keine Kohlenhydrate enthält.

Die Fütterung beeinflusst auch die Darmflora der Tiere. Ein hoher Kohlenhydrat-Anteil im Futter fördert andere Bakterienstämme im Darm, als eine proteinbasierte Fütterung.

Im Körper passieren also bei so einer gravierenden Futteränderung viele Dinge, die man so nicht unbedingt mit bekommt. Man sollte daher rücksichtsvoll in der Umstellung von Fertigfutter auf BARF vorgehen, um den Körper des Hundes nicht zu überfordern.

Die richtige Umstellung auf BARF

Generell sollte man sich für die Umstellung auf BARF ungefähr 2-3 Wochen Zeit nehmen, immer abhängig davon, wie der Hund zurecht kommt. Ziel ist es nach dieser Zeit alle Komponenten einer BARF-Mahlzeit im Programm zu haben.

Ich würde weder Trockenfutter mit Rohfleisch mischen, oder nur mit Pansen umstellen. Trockenfutter und rohes Fleisch stellen unterschiedlichen Ansprüche an die Verdauung. Das kann vonmanchen Tieren nicht vertragen werden. Pansen ist sehr bindegewebsreich und daher schwerer verdaulich. Ist der Körper das nicht gewöhnt, könnte man sich gleich zu Beginn Verdauungsprobleme, wie Blähungen und weichen Kot einhandeln.

Bevor man auf BARF umstellt, sollte der Hund 12-24 Stunden fasten. Bei Welpen lässt man meist nur 1 Mahlzeit aus.

Los geht´s…

Nach dem Fasten beginnt man die BARF-Fütterung mit nur einer Sorte Muskelfleisch und einer Sorte Gemüse in einem Verhältnis von 80% + 20%. Das Fleisch sollte nicht allzu fettig sein, aber auch nicht ganz mager (~10% Fett). Es ist kein Problem gleich mit stückigem Fleisch zu beginnen, das hängt aber ganz individiuell vom eigenen Hund ab.

Diese Mahlzeit gibt man über 2-3 Tage und beobachtet wie der Hund die neue Fütterung verträgt und wie der Kotabsatz sich entwickelt. Sollte das Tier Probleme haben, kann man das Fleisch kochen und mit der Zeit langsam roher werden lassen. 

Ist alles unauffällig, kann man den nächsten Schritt gehen. Die Mahlzeit wird nun um weitere Bestandteile ergänzt. Nun kann man langsam mit den Innereien beginnen. Eine nach der Anderen, beginnend mit Leber. Innereien können zu dünnerem Kot führen und werden nicht immer unbedingt gleich gefressen. Sollte der Hund skeptisch sein, kann man sie am Anfang leicht anbraten. 

Das Ziel ist nah….

Man befindet sich nun langsam auf der Zielgeraden. Ist bisher alles gut gelaufen, beginnt man mit den schwerer verdaulichen Komponenten. Die Ration wird zuerst mit Pansen und/oder Blättermagen erweitert.

Wenn dieser Schritt gut geklappt hat, beginnt man langsam Rohe Fleischige Knochen (RFK) in die Portion zu integrieren. Weiche Knochen wie Hühnerhälse, Hühnerflügerl, Hühnerrücken (stückig oder gewolft) eignen sich sehr gut für den 1. Kontakt mit Knochen. Bei der Fütterung von stückigen  Knochen bitte immer anwesend sein, und den Hund beobachten.

Es kann manchmal passieren, das in den ersten Tagen der Knochen-Fütterung Knochenstücke erbrochen werden (meistens morgens). Das ist normalerweise unproblematisch, da der Körper versucht nicht Verdautes auf diesem Weg wieder auszuscheiden. Dieses Phänomen sollte sich auch schnell legen. Wenn man wirklich unsicher ist, oder es sich nicht verbessert, kann man auf gewolfte Knochen wechseln.

Wichtig ist, dass Knochen immer mit ausreichend Muskelfleisch gefüttert werden, da nur durch das Fleisch die Magensäureproduktion angeregt wird und der Knochen dadurch besser verdaut werden kann.

AIn den letzten Tagen der Umstellungsphase beginnt man dann die Mahlzeit mit den notwendigen Zusätzen (Fischöl, Seealgenmehl,..) zu komplettieren.

In der Zeit der Umstellung leidet der Hund keineswegs unter groben Mängeln, da viele Vitamine und Mineralsstoffe im Körper gespeichert werden und bei Engpässen dem Körper trotzdem zur Verfügung stehen.

Du brauchst Dir da keine Gedanken machen, dass das Tier in der kurzen Zeit von 2 – 3 Wochen irgendwie schwer unterversorgt ist. Diese Zeit ist jedoch gut investiert, um es dem Hund leichter zu machen, sich an die neue Fütterung zu gewöhnen.

Geschafft – die erste komplette BARF-Mahlzeit und ein glücklicher Hund!

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