Macht Trockenfutter unsere Katzen krank?

Macht Trockenfutter unsere Katzen krank?

Trockenfutter wird leider noch immer von vielen Katzenhaltern dem Nassfutter oder BARF vorgezogen. Die Gründe sind nicht schwer zu erraten: es ist lange haltbar, kann über den ganzen Tag im Napf bleiben ohne zu verderben und verursacht wenig Schmutz. Die Handhabung ist mehr als einfach: Sackerl auf und rein in den Napf. Trockenfutter-Sorten sind noch dazu sehr günstig gegenüber Nassfutter oder BARF.

Leider vergessen viele Katzenliebhaber dabei, wie sehr sie ihrem Tier mit dieser Fütterung schaden können. Dabei sprechen soviele Argumente gegen die Verwendung von Trockenfutter. Man muss sich nur mal überlegen, wo die Katze ursprünglich her kommt, wie sie sich draußen ernährt und wie ihr Stoffwechsel funktioniert.

Die Hauptbeutetiere einer Katze sind vor allem kleine Nagetiere wie Mäuse. Die Zusammensetzung einer Maus sieht in etwa so aus:

Eine Maus hat einen Wassergehalt von 68,5% und eine Trockenmasse von 31,5%. Diese Trockenmasse unterteilt sich in:

  • 10-11% Rohasche
  • circa 60% Rohprotein
  • circa 24% Rohfettgehalt
  • 3-4% pflanzliche Bestandteile im Magen/Darm
  • und andere Bestandteile in einer Größenordung von ~2 %

Wenn man sich im Vergleich die Zusammensetzung von Trockenfutter anschaut, besteht dieses zum größten Teil aus Kohlenhydraten, ein wenig Protein, (meist pflanzlichem) Fett und einem sehr hohen Gehalt an Rohasche.

Die Katze, das Wüstentier und ihr Wasserhaushalt

Anatomisch gesehen bleibt die Katze ein Wüstentier. Wüstentiere sind dazu „ausgelegt“ ihren Flüssigkeitsbedarf durch die Nahrung zu decken. Das bedeutet: Katzen trinken oft nur dann Wasser, wenn sie kurz vor der Dehydration stehen. Dieses Verhalten und der Stoffwechsel der Katzen haben sich auch noch nach Jahrhunderten Zusammenleben mit dem Menschen nicht viel geändert.

Wenn man eine Katze artgerecht und gesund ernährt, braucht die Katze sehr wenig Wasser, da sie ihrer Natur entsprechend da sie einen Großteil des notwendigen Wassers mit der Nahrung aufnimmt.

Daraus ergibt sich schon eine sehr wichtige Problematik bei der Fütterung von Trockenfutter. Es enthält einfach so gut wie keine Flüssigkeit mehr.

Trockenfutter ist im wahrsten Sinne trocken

Eine Maus besteht zu etwa 70% aus Wasser, Nassfutter oder BARF zu 65-80%. Trockenfutter dagegen enthält maximal 10% Restfeuchte. Das ist so wenig, das es auf der Verpackung gar nicht angegeben werden muss. Zudem entzieht es dem Körper zusätzlich Wasser, weil es erst in der Katze zu quellen beginnt.

Daraus geht hervor, dass eine Fütterung der Katze mit Trockenfutter nicht artgerecht sein kann. Wenn die Katze dauernd Trockenfutter frisst, wird der theoretische Bedarf an Wasser immer größer und dem Körper der Katze darüber hinaus immer mehr Wasser entzogen. Die Katze ist nicht in der Lage den enormen Wasserbedarf aufgrund des Trockenfutters auf zu nehmen. Das ist langfristig fatal.

Es kommt zu einer Aufkonzentrierung des Harns, was langfristig zu Erkrankungen der Blase und vor allem der Nieren führen kann. Jede 3. Katze leidet heutzutage an chronischen Nierenerkrankungen. Die Erkrankung entwickelt sich schleichend und erst wenn 75% des Nierengewebes bereits zerstört sind, kommt es zu Stoffwechselstörungen und ersten Symptomen. Die kranken Nieren können Giftstoffe nicht mehr ausscheiden und den Mineralstoffhaushalt nicht mehr regulieren. Harnstoff, ein Abfallprodukt des normalen Proteinstoffwechsels, reichert sich immer mehr im Blut an. Die chronische Niereninsuffizienz ist nicht heilbar und der Tod des Tieres kann durch diätetische Massnahmen nur noch hinaus gezögert werden.

Kohlenhydrate im Trockenfutter- von Katzen kaum zu verdauen

In der freien Natur nehmen Katzen nur über den Mageninhalt ihrer Beutetiere Getreide und pflanzliche Nahrungsbestandteile auf. Das entspricht etwa 3% des Beutetiers. Da die Nahrung bereits von den Verdauungsenzymen der Maus vorverdaut und aufgespalten wurde, kann die Katze sie problemlos verdauen. Die Katze produziert nämlich nur eine minimale Menge des kohlenhydratspaltenden Enzyms Amylase und kann Getreide selber nicht effizient aufspalten und verdauen.

Wieviel Getreide darf dann im Futter der Katze sein?

Die unproblematische Menge an Kohlenhydraten für Katzen liegt bei ungefähr 5-8 g/Tag. Besteht das Futter bereits zu 10% aus pflanzlichen Komponenten, senken die anti-nutritiven Stoffe in diesen (z.B Phytinsäure) bereits die Bioverfügbarkeit der tierischen Proteine. Der Nährwert des Futters sinkt. Trockenfutter besteht zu 20-80% aus Getreide und anderen billigen pflanzlichen Füllstoffen. Also zu 20-80% aus Stoffen, die von der Katze nur unzureichend verdaut und verwertet werden können. Der Großteil des Trockenfutters wird unverwertet wieder ausgeschieden. Das kann sich nur negativ auf die Gesundheit der Katze auswirken.

Nährstoffgehalt von Trockenfutter

Ein weiteres Problem von Trockenfutter ist, dass pflanzliche Nährstoffe für die Katze einfach nicht nutzbar sind. Vitamin A kommt in Pflanzen nur in seiner Vorstufe, dem bekannten Beta-Carotin, vor. Pflanzenfresser können Beta-Carotin im Dünndarm in die aktive Form des Vitamin A, das Retinol umwandeln. Katzen sind dazu nicht in der Lage. Sie müssen das bereits fertig umgewandelte Vitamin A über die Leber des Beutetiers aufnehmen.

Katzen können auch Vitamin D nicht über das Sonnenlicht selber herstellen, sondern müssen es über die Nahrung aufnehmen. Dieses kommt aber ebenfalls fast ausschließlich in tierischen Organen vor.

Das für die Katze so wichtige Taurin ist hauptsächlich in tierischen Komponenten enthalten (z.B Herz) und kaum in pflanzlichen Lebensmitteln. Auch die für die Katze essentielle Aminosäure Tryptophan kann von der Katze nur in Vitamin B3 umgewandelt werden, wenn es aus tierischer Quelle stammt. Man könnte noch viele, viele weitere Beispiele anführen.

Generell besitzen pflanzliche und tierische Zellen ein unterschiedliches Aminosäureprofil. Da Aminosäuren z.B für den Aufbau von Gewebe benötigt werden, braucht eine Katze als Tier natürlich für ihre körpereigenen Stoffwechselprozesse auch jene Aminosäuren, die in tierischer Nahrung vorherrschen und weniger Aminosäuren aus pflanzlichen Zellen. So kann es zu Mängeln an wichtigen Aminosäuren kommen, wenn die Katze Nahrung aus hauptsächlich pflanzlichen Komponenten aufnimmt.

All diese Nährstoffe müssten also dem Trockenfutter künstlich zugeführt werden, um langfristige Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen bei der Katze zu vermeiden.

Pflanzliche Fette – gut für den Menschen, unverwertbar für die Katze

Die Katze als obligater Karnivor gewinnt ihre Energie hauptsächlich aus tierischen Fetten. Es gibt daher für die Katze essentielle Fettsäuren, die nur in tierischem Gewebe vorkommen. Das ist zum Beispiel die Arachidonsäure. Auch die Fettsäuren Linolsäure und Gamma-Linolensäure gelten als essentiell in der Ernährung der Katze. Der Katze fehlen die notwendigen Enzyme, um diese Fettsäuren aus ihren Vorstufen, wie sie in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen, selber zu bilden. Fehlen diese Fettsäuren in der Nahrung, kann die Katze diese nicht in wichtige Omega-3 Fettsäuren umwandeln. Wenn also Distelöl oder Hanföl auf der Verpackung suggerieren sollen, wie gesund doch das Futter für die Katze ist – es ist es nicht!

Schimmelpilze und Milben – unliebsame Mitbewohner im Trockenfutter

Aus Bequemlichkeit und Kostengründen kauft der Tierhalter gerne Futter in großen Gebinden. So lagern dann kiloweise Trockenfutter zu Hause im Abstellraum. In Dunkelheit und angenehmen Temperaturen können sich dann Schimmelpilze und Milben in dem offenen Futter unbemerkt einnisten und vermehren. Sie ernähren sich von den pflanzlichen Inhaltsstoffen und gedeihen in Trockenfutter hervorragend. Vor allem das moderne Halbfeuchtfutter ist durch den erhöhten Feuchtigkeitsgehalt ein perfekter Nährboden für Schimmelpilze. So füttert man oft lange kontaminiertes Trockenfutter, bevor der Befall so stark ist, dass er auch für das menschliche Auge sichtbar wird.

Vor BARF wird oft wegen der angeblich hohen Bakterienlast gewarnt, dabei ist auch Trockenfutter nicht keimfrei. Bei einer Untersuchung 2015 wurden in zahlreichen Trockenfutterproben pathogene Keime gefunden. Darunter auch resistente Stämme von Pseudomonas, Streptokokken und Staphylokokken, die auch dem Menschen schaden können. Wäscht man sich tatsächlich immer die Hände, wenn man Trockenfutter als Leckerli in die Hand nimmt? Hand aufs Herz!

Mythen rund ums Trockenfutter

Aufgrund der jahrelangen Werbung für Trockenfutter, haben sich die angeblichen Vorteile des Futters unbewusst in die Gehirne vieler Katzenhalter festgesetzt. Man hat tatsächlich das Gefühl der Katze nur das Beste in den Napf zu füllen. Doch was ist dran an diesen Aussagen?

1) Trockenfutter reinigt die Zähne und hält sie gesund!

Ob bei Hund oder Katze, das Nummer 1 Argument für die Fütterung von Trockenfutter ist der positive Effekt auf die Zähne der Tiere. Soll doch gerade die harte Konsistenz die Zähne reinigen. Da Katzen nicht, wie wir Menschen, über Mahlzähne verfügen, können sie die kleinen Bröckchen gerade mal grob zerkleinern, jedoch nicht ausgiebig zerkauen. Dadurch entstehen kleine Brösel, die gar nicht in der Lage sind, die Zähne durch Abrieb zu reinigen. Sie verstecken sich eher in den Zahnzwischenräumen und sind aufgrund des hohen pflanzlichen Anteils ein guter Nährboden für Kariesbakterien und fördern die Bildung von Zahnstein.

2) Meine Katze trinkt immer genug!

Natürlich wird man seine Katze immer wieder trinken sehen. Aber reicht das tatsächlich aus, um den Wasserbedarf der Katze bei der Fütterung von Trockenfutter zu decken?

Eine gesunde Katze benötigt etwa 30-40ml Wasser pro kg Körpergewicht. Eine 4 kg Katze bräuchte also um die 150ml Wasser pro Tag. Bei Fütterung von Nassfutter oder BARF ist diese Menge kein Problem, enthält dieses Futter doch 60-80% Wasser und ein wenig trinken wird die Katze zusätzlich.

Wie schon oben beschrieben enthält Trockenfutter meist nur um die 10% Feuchtigkeit und die Katze müsste ungefähr die 3-fache Tagesmenge an Wasser trinken, um aufgrund des aufquellenden Trockenfutters nicht zu dehydrieren. Damit müsste eine 4 kg Katze bei Trockenfutter-Fütterung um die 500ml Wasser trinken, um eine optimale Versorgung mit Wasser zu gewährleisten. Ich persönlich kenne keine Katze, die so eine Menge Wasser zu sich nimmt. Dehydration ist somit eigentlich vorprogrammiert.

Wäre das noch nicht schlimm genug, findet man in Trockenfutter oft Salz als Zusatz. Dieses soll die Katzen zum Trinken animieren. Ein Zuviel an Natriumchlorid (Salz) belastet die Organe der Katze.

3) Meine Katze liebt aber ihr Trockenfutter!

Dass die meisten Katzen tatsächlich gerne Trockenfutter fressen, liegt an den vielen Geschmacksverstärken und Aromen, die darin enthalten. Da Katzen außerdem ihre Nahrung hauptsächlich über den Geruchssinn einordnen, fühlt sich eine Katze zu dem intensiv riechenden Trockenfutter meistens hingezogen.

Es ist auch gar nicht so einfach eine Katze, die Trockenfutter gewöhnt ist, auf hochwertiges Nassfutter oder sogar BARF um zu stellen. Katzen sind Gewohnheitstiere – was sie einmal an Konsistenz, Geruch oder Geschmack als positiv gespeichert haben, ist ihnen nicht mehr so leicht abzugewöhnen. Das braucht viel Geduld, Fingerspitzengefühl und vor allem Konsequenz.

4) Und was ist an getreidefreiem Trockenfutter so schlecht?

Neben den traditionellen Trockenfuttern finden sich immer mehr Sorten, die angeblich getreidefrei sind. Betonung liegt hier auf GETREIDE-frei. Wenn man das Kleingedruckte studiert, wird man schnell merken, dass zwar kein Getreide enthalten ist, dafür jedoch ein genau so großer Anteil an anderen Kohlenhydraten, wie Karotten, Kartoffeln, Beeren oder noch viel schlimmer Rübenschnitzel. Der Fleischanteil bleibt meist unverändert klein.

5) Die Katze soll doch nicht fasten

Immer wieder hört man ganz panisch, dass Katzen doch bitte unter keinen Umständen fasten dürfen, da das die hepatische Lipidose begünstigt, eine Form der Leberverfettung. Daher ist es doch so praktisch, dass man das Trockenfutter ohne Probleme den ganzen Tag stehen lassen kann, ohne das es verdirbt.

Dass eine Katze nicht fasten darf, ist richtig. Das bedeutet jedoch, dass sie nicht länger als 24 Stunden fasten soll. Ein paar Stunden ohne Futter sind für eine Katze überhaupt kein Problem. Sie würde ja auch in der Natur nicht ständig Beute jagen und fressen, sondern im Abstand von ein paar Stunden.

6) Trockenfutter hilft bei Durchfall!

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass mir bei Durchfall immer wieder vom Tierarzt Trockenfutter empfohlen wurde. Trockenfutter „hilft“ tatsächlich bei Durchfall. Es bekämpft jedoch lediglich die Symptome, in dem es dem Körper Flüssigkeit entzieht. Diese kann dann nicht mehr in Form von wässrigem Durchfall ausgeschieden werden. Dem ohnehin vom Durchfall geschwächten Körper wird aber dadurch nur noch mehr lebensnotwendiges Wassers entzogen und das Tier dehydriert noch viel stärker.

Bei Durchfall ist es immer notwendig die Ursache heraus zu finden und zu behandeln – nicht nur das Symptom! Bei Durchfallerkrankungen muss man die Verdauung schonen und dem Körper Feuchtigkeit zuführen. Das erreicht man am effektivsten und gesünder durch Moro´sche Karottensuppe, gefolgt von Schonkost in Form von gekochtem Hühnchen.

FAZIT

So ungern man das jetzt hören möchte – Trockenfutter ist das Schlimmste was man seiner Katze füttern kann. Trockenfutter hat mit der natürlichen Ernährung der Katze nichts mehr gemeinsam. Nierenversagen ist heute eine der häufigsten Todesursachen bei Katzen. Dazu trägt die Fütterung von Trockenfutter sehr wesentlich bei, da die Katze niemals so viel trinken kann, wie sie es bei dieser Fütterung müsste.

Katzen brauchen als Fleischfresser einen sehr hohen Anteil an tierischen Komponenten in der Fütterung um ihren Stoffwechsel aufrecht und gesund zu erhalten. Unsere Samtpfoten haben sich einfach eine artgerechte und gesunde Ernährung verdient. Und was ist da näher dran als hochwertiges Nassfutter oder BARF? Wie die bedarfsdeckende Rohfütterung von Katzen aussehen kann, findet ihr in dem Artikel „Wie sieht BARF bei Katzen aus?“

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