Mein Tier frisst kein Gemüse – was nun?

Mein Tier frisst kein Gemüse – was nun?

Eine normale BARF Ration für Hunde und Katzen enthält einen gewissen Anteil an pflanzlichen Komponenten. Da man potentielle Beutetiere „nachbaut“ ist dieser Anteil beim Hund mit 20% größer als bei der Katze mit etwa 5%.

Die Tiere benötigen einen Teil an unverdaulichen Stoffen, in Form von Faserstoffen (oder Ballaststoffen). Diese sorgen einerseits für eine funktionierende Peristaltik des Darms, da das Kotvolumen erhöht wird. Andererseits nähren diese unverdaulichen Bestandteile die wertvolle gesunde Darmflora, die die Faserstoffe durch mikrobielle Fermentation für sich verfügbar machen. Zusätzlich enthalten Obst und Gemüse wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, die sich positiv auf den Körper auswirken können.

Obst und Gemüse in der BARF-Ration enthält genau den notwendigen Anteil an unverdaulichen Faserstoffen. Der Rohfaseranteil im tierischen Anteil von 20% beim Hund liegt in etwa bei 1 -1.5%, der Rest ist großteils Wasser. Man muss das Obst und Gemüse fein pürieren oder dünsten, um diese Faserstoffe für das Tier verfügbar zu machen. Da Hund und Katze Karnivoren sind, bilden sie keine Cellulase – jenes Enzym, das die Zellwände von pflanzlichen Zellen öffnet.

Die meisten Hunde kann man relativ leicht davon überzeugen den pflanzlichen Teil auch zu fressen. Bei Skeptikern kann man probieren, das Gemüse mit Pansen zu mischen. Auch das Mischen mit ein wenig Knochensuppe oder Blut machen das „Grünzeug“ für die meisten dann doch halbwegs attraktiv.

Was aber tun, wenn das Tier so gar kein Gemüse fressen möchte?

Sollte man trotz aller Überzeugungsversuche scheitern, gibt es einige Möglichkeiten auch auf anderen Wegen Faserstoffe in die Fütterung zu integrieren. Hier muss man einfach probieren, was funktioniert. Vorteil ist natürlich, dass man von den reinen Faserstoffen relativ wenig nehmen muss. Da Obst und Gemüse zu über 95% aus Wasser bestehen, wird der gesamte pflanzliche Anteil in der Fütterung durch die kleine Menge an gequollenen Alternativ-Faserstoffen ersetzt.

Hier ein paar Beispiele:

Flohsamenschalen

Die bekannteste Alternative sind Flohsamenschalen. Es handelt sich dabei um die Samenschalen der Pflanze Plantago Ovata aus der Gattung der Wegeriche, die vor allem in Indien und Pakistan vorkommt. Sie sind reich an Ballaststoffen und wasserbindenden Schleimstoffen, die sich positiv auf die Verdauung auswirken können.

Flohsamenschalen quellen in Wasser auf ein Vielfaches (ca. 40 fach) der Trockenmenge an. Daher muss man sich bei der Menge etwas herantasten, da man keine Verstopfung riskieren möchte.

Ein Richtwert ist aber in etwa 1/2 Teelöffel pro 10kg Hund. Bei Katzen verwendet man 0.3-0.5% gequollenen Flohsamenschalen in der Ration. Die Flohsamenschalen mindestens 1:10 mit Wasser mischen und 1-2 Stunden, besser über Nacht quellen lassen.

Gerstengras

Gerade das junge Gras im Frühling wird von vielen Hunden gerne gefressen. Die jungen Gräser enthalten eine Vielfalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelemente, Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen aus. Zusätzlich enthält Gerstengras bis zu 23% Ballaststoffe.

Am einfachsten lässt sich Gerstengras beim Hund als Pulver anwenden.

  • kleine Hunde: 1 bis 2 Mal täglich ½ Teelöffel
  • bis 20 Kilogramm: 1 bis 2 Mal täglich 1 Teelöffel
  • bis 30 Kilogramm: 1 bis 2 Mal täglich 1½ Teelöffel
  • mehr als 30 Kilogramm: 1 bis 2 Mal täglich 2 Teelöffel

Auch bei Katzen kann man Gerstengras einsetzen, jedoch sollte man da genau auf die Dosierung achten. Katzen bis zu einem Körpergewicht von 10 Kilogramm erhalten ein bis maximal zwei Mal am Tag einen halben Teelöffel Gerstengraspulver.

Haferfasern

Haferfasern werden aus Haferhülsen und – schalen gewonnen und bestehen zu 93% aus unlöslichen Ballaststoffen.

Einen gehäuften Teelöfffel (ca. 3g) pro 10 kg Körpergewicht mit jeweils ca. 50ml Wasser mischen und gut verrühren. Diese Mischung 2-3 Minuten lang quellen lassen und mit dem Futter mischen. Normalerweise reicht es, Haferfasern 1x pro Tag zu geben.

Für Katzen rechnet man mit 1.5 – maximal 2g Haferfasern pro Tag.

Apfeltrester

Apfeltrester ist der Pressrückstand bei der Apfelsaft-Herstellung. Er besitzt einen hohen Zuckergehalt, einen tiefen pH-Wert und einen geringen Eiweißgehalt. Beim Apfeltrester handelt es sich beim enthaltenen Zucker mit über 75 % um sogenannte Zellwandpolysaccharide (u.a. Pektine). Diese können von den Tieren nur durch die Bakterien im Dickdarm zerlegt werden. Somit nehmen sie keinen Einfluss auf den Insulinstoffwechsel. 

Die Fütterungsempfehlung ist 0.5-1 g/kg Körpergewicht bei Hund und Katze gemischt mit etwas Wasser oder Joghurt direkt ins Futter. Die Akzeptanz ist aufgrund des Geschmacks sehr gut. Apfeltrester verwendet man meistens für kurze Zeit im Wechsel oder kombiniert mit anderen ballaststoffreichen Produkten.

Baobab

Baobab-Pulver wird aus der Frucht des Affenbrotbaums hergestellt. Mit 44 g pro 100g Frucht liefert die Frucht des Baobab reichlich viel Ballaststoffe. Besonders zu erwähnen ist auch der hohe Vitamin-C-Gehalt.

Auch hier setzt man beim Hund ungefähr einen gehäuften Teelöffel (ca. 3g) pro 10 kg Körpergewicht ein. Das Pulver wird mit Wasser gemischt und zum Futter gegeben.

Topinambur-Pulver

Topinambur besteht zu einem großen Anteil aus den unverdaulichen Ballaststoffen Inulin und Oligofruktanen. 

Die Fütterungsempfehlung ist 0.5-1 g/kg Körpergewicht beim Hund gemischt mit etwas Wasser oder Joghurt.

Hanf-Pulver für Hunde

Hochwertige Hundehanf-Produkte bestehen aus Anteilen der ganzen Pflanze (Samen, Blüten, Blätter, Stengel). Dadurch enthält das Produkt, wie auch Gerstengras nicht nur Faserstoffe, sondern auch sekundäre Pflanzenstoffe.

Man startet mit etwa 30% der angegebenen Dosierung und erhöht wöchentlich die Dosis. Auch Hanfpulver verwendet man meistens für kurze Zeit (bis 4 Wochen) im Wechsel oder kombiniert mit anderen ballaststoffreichen Produkten.


Die Menge all dieser ballaststoffreichen Pflanzenfasern sollte langsam erhöht werden, damit sich der Körper daran gewöhnen kann. Ist die Anfangsmenge gleich zu hoch, kann es passieren, dass sich die Kotkonsistenz verschlechtert. Es kann dabei sowohl zu dünnerem Kot als auch Verstopfung kommen. Daher bitte unbedingt aufpassen!

Meine Präferenz wären immer gequollene Flohsamenschalen, eventuell im Wechsel mit den anderen Produkten, um Abwechslung zu schaffen.

FAZIT

Damit man die Verdauung in Schwung und die Darmflora gesund erhält, füttert man bei BARF einen gewissen Anteil an Faserstoffen. Der ist bei Hund und Katze unterschiedlich hoch, da die Fütterung auf die Bedürfnisse der Tiere angepasst ist.

Unter normalen Umständen verwendet man Obst und Gemüse um diesen Bedarf an unverdaulichen Stoffen zu zu führen. Wenn die Tiere jedoch partout nicht dazu zu bewegen sind, die Obst/Gemüse Mischung zu fressen, hat man mit oben genannten Produkten einfach anwendbare Alternativen. Man muss einfach ausprobieren, was vom eigenen Tier gut angenommen und vor allem auch gut vertragen wird.

Bei Katzen verwendet man meistens gequollene Flohsamenschalen, da diese wenig Eigengeschmack haben und meistens von den Katzen akzeptiert werden.

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